Content-Creatorin und Moderatorin Patrice Aminati ist an schwarzem Hautkrebs erkrankt. Laut ihrer eigenen Aussagen gilt sie als unheilbar. 2025 trennte sich das Ehepaar Aminati, was nicht ungewöhnlich ist bei Paaren, bei denen eine Hälfte an Krebs erkrankt ist. Vor kurzem hat Noch-Ehemann Daniel dann Bilder von ihr auf seinem Instagram-Kanal gepostet und mit Genesungswünschen versehen. Daraufhin äußerte sich Patrice öffentlich klar und deutlich in seine Richtung, dass er sie privat keineswegs so unterstützt hätte und sie in Ruhe lassen solle. Das mit der Ruhe scheint bei Daniel aber nicht angekommen zu sein: Prompt hat er mit einem weiteren Instagram-Post reagiert, um sehr viel über sich zu sprechen. Als Ehemann einer Krebspatientin platzt mir da der Kragen. Daniel, wir müssen reden.
Zunächst einmal möchte ich klarstellen: Es geht mir nicht hauptsächlich um die beiden Menschen Patrice und Daniel Aminati. Ich wünsche der schwer erkrankten Patrice nur das Beste, Daniel wünsche ich nichts Schlechtes. Beim TV total Turmspringen fand ich ihn sehr sympathisch, wobei man den Leuten ja nie in den Kopf gucken kann. Nun ja. Der Grund, weshalb ich mich zur Auseinandersetzung der beiden äußere: Meine Frau ist ebenfalls eine Krebspatientin. Ich bin also ein Ehemann einer Krebspatientin, genau wie Daniel. Und als Ehemann einer Krebspatientin finde ich es erschreckend, was für Männer und Expartner andere Patientinnen ertragen müssen. Es widert mich regelrecht an, wenn ich sehe, wie ein Mann sich beinahe wie besessen um sich selbst dreht, während seine Expartnerin um ihr Leben kämpft. Männer sollten endlich aufhören, sich wichtiger zu nehmen als sie sind.
So spricht Daniel Aminati in seinem Instagram-Video sehr viel darüber, was er gewollt, gedacht und gefühlt und für sie getan habe. Dass er kein schlechtes Wort über seine Expartnerin verlieren würde. Und was er sich wünsche, das darf natürlich auch nicht fehlen. Zunächst einmal frage ich mich, wie man auf die Idee kommt, Fotos der Expartnerin ungefragt auf Instagram zu posten. Das ist absolut wild und aus gutem Grund verboten (§ 22 KunstUrhG). Außerdem stimme ich Patrice Aminati zu, wenn sie ihm Selbstdarstellung vorwirft. Es gibt keinen Grund, der Expartnerin öffentlich Genesungswünsche zu senden, wenn man sich im Guten getrennt hat. Meine Exfrau und ich haben uns auch getrennt und ich würde ihr persönlich schreiben oder sie anrufen, sollte sie schwer erkranken. Dass er das öffentlich über Instagram macht und sie daraufhin so ablehnend reagiert, lässt ihn nicht unbedingt im besten Licht dastehen.
Lauter versteckte Kritik, verpackt in netten Worten
Nach dem ersten Fauxpas hätte er einfach den unerwünschten Beitrag löschen und sich in einer Story entschuldigen oder schweigen sollen. Stattdessen postet er dieses Video. Ich habe es mir angeschaut und halte es gelinde gesagt für ein Feuerwerk der toxischen Männlichkeit. Er erzählt lang und breit, er würde kein schlechtes Wort über Patrice verlieren, unterstellt ihr aber an anderer Stelle durch Wörter wie „Vergeben“ und „Verzeihen“, sie habe Schuld auf sich geladen und er würde gnädig darüber hinwegsehen. Auch dass er betont, es gäbe von seiner (!) Seite aus kein schlechtes Wort und nur positive Energie, soll nur verdeutlichen: Ich bin der Vernünftige in dieser Trennung, sie ist das Problem hier. Das Ganze toppt er damit, dass er die von ihr kritisierten Beiträge in seinem neuen Video erneut zeigt. Es ist nicht zu fassen.
Ich nehme mal an, dass fast jede Person, die nicht selbst an Krebs erkrankt ist, irgendwann einmal im näheren Umfeld eine Krebserkrankung mitbekommen hat. Aber die allerwenigsten Menschen können sich vorstellen, was eine Krebsdiagnose bedeutet, besonders für eine junge Person. Es ist buchstäblich die Hölle. Das Leben gerät aus den Fugen, zu Hause ist nichts mehr, wie es war. Ich kann jetzt hier schreiben, was ich will, du wirst es dir nicht vorstellen können. Glaub mir. Für den Partner oder die Partnerin beginnt ein ganz eigenes Drama, je nachdem, wie empathisch die Person ist. Dass es auch für Daniel nicht einfach war, wie er es im Video erzählt, nehme ich ihm hundertprozentig ab. Trotzdem gibt es hier zwei entscheidende Punkte:
- Als Betroffene bestimmt sie, was okay ist und was nicht. Und wenn sie in Ruhe gelassen werden möchte, hat er das zu respektieren. Er hätte sie zwar schon vorher in Ruhe lassen müssen, aber spätestens nach ihrer klaren Ansage hat er sich zu der Sache nicht mehr öffentlich zu äußern. Außer natürlich, er nimmt sich und sein Ansehen wichtiger als den Wunsch einer unheilbar krebskranken Frau.
- Er hat kein Recht, sie zu benutzen. Ob zur Selbstdarstellung, Rechtfertigung oder Traumaverarbeitung, völlig gleich.
Fans verteidigen das Shitstorm-Opfer gegen die böse krebskranke Frau
Verständlicherweise hagelt es Kritik unter dem Video, aber es finden sich auch erschreckend viele Fans, die sein Verhalten verteidigen. So schreibt eine Kommentatorin, die ansonsten flache Sinnsprüche postet:
„(…) Da steht ein Mann, der ganz klar darum bittet, Privates auch privat sein zu lassen, der Respekt einfordert, für sich, aber vor allem auch für Patrice, die gerade gesundheitlich ohnehin einen schweren Weg geht. Trotzdem wird spekuliert, interpretiert und teilweise regelrecht ausgeschlachtet. (…)“
Man solle doch „die beiden“ in Ruhe lassen, schreibt die Frau in Richtung der vielen Kritiker*innen. Solange es solche Menschen gibt, haben toxische Männer nichts zu befürchten. Was diese Kommentatorin macht, ist so abgrundtief niederträchtig, dass ich sie nicht einfach übergehen kann. Mit ihrem Kommentar stellt sie Patrice Aminati, die Erkrankte, und Daniel Aminati, den übergriffigen Mann, auf eine Stufe. Nicht sie ist das Opfer, sondern beide gleichermaßen, womit sie das Leid der Frau abwertet und den Egotrip des Mannes legitimiert. Liebe „freulein_glueckselig“: Er hat ihre Erkrankung benutzt, er legt öffentlich nach, er ist verantwortlich für die Reaktionen darauf. Wieso muss man das einem erwachsenen Menschen überhaupt erklären?
Im Video bestreitet Daniel Aminati, seine Frau nicht ausreichend unterstützt zu haben. Als Beweis dafür erzählt er, dass er seiner Expartnerin die Tür zu speziellen Krebsstudien geöffnet habe. Lieber Daniel, wenn ich ehrlich bin, würde ich mir eher in den eigenen Fuß schießen als rumzuerzählen, was ich alles für meine Ehefrau getan habe, um ihr im Kampf gegen Krebs zur Seite zu stehen. Es ist nicht entscheidend, ob du etwas getan hast. Es ist entscheidend, ob du alles (!) in ihrem Sinne (!) getan hast. Ich habe zwei Krebsfälle in meinem unmittelbaren Umfeld erlebt, und die Betroffenen würden nicht so über mich sprechen wie Patrice über dich. Und trotzdem maße ich mir nicht an, zu glauben, ich hätte wirklich alles getan, was ich hätte tun können.
Nicht weglaufen, wenn es am schlimmsten ist: Was Ehe bedeutet
Es gibt Menschen, die denken, eine Heirat würde nichts an einer Beziehung ändern und die Ehe wäre nur ein Stück Papier. Denen möchte ich ein paar Gedanken mitgeben. Wer heiratet, verspricht sich etwas. Nämlich die Sache mit den guten und den schlechten Zeiten. Es ist total easy, in guten Zeiten ein Paar zu sein. Es ist auch nicht besonders herausfordernd, in mittelmäßigen Zeiten ein Paar zu sein. Eine Ehe beweist sich in schlechten Zeiten. Und ein Krebsfall ist eine schlimme Zeit, die jede Beziehung ans Limit bringt. Die Zeit ist so belastend, dass Maßstäbe für gute oder mittelmäßige Zeiten nicht gelten. Als Partner*in hast du nur einen verdammten Job: alles ertragen, alles auffangen, unerschütterlich sein.
Und du musst damit leben, dass niemand dich sieht. Weil es nicht um dich geht. Du nimmst alles auf dich, weil du möchtest, dass dein*e Partner*in überlebt. Darum geht es. Wenn dir wichtiger ist, wie du wahrgenommen wirst, als ein simpler Wunsch deiner unheilbar kranken Expartnerin, bist du das Problem und solltest auch in deinem eigenen Interesse an dir arbeiten.

