Wer in sozialen Netzwerken wie Bluesky oder Mastodon unterwegs ist, kennt die Posts: Jemand schreibt über ein Thema und verlinkt einen maßgeblichen Spiegel-, Zeit- oder SZ-Artikel dazu mit einem Hinweis auf eine „Paywall“. Manche regen sich sogar auf, dass bestimmte Themen „hinter der Paywall versteckt“ seien. Versteckt. Wichtige Themen, so der Grundton, müssten doch allen zugänglich sein. Kostenfrei. Was bei fast jedem anderen Produkt für Kopfschütteln sorgen würde, scheint bei journalistischen Angeboten normal und okay zu sein. Wieso eigentlich?
Als irgendwann in den 1990ern dieses ominöse Internet aufkam, sprangen ein paar Medienhäuser hinein und errichteten ihre Onlinepräsenzen. Man wollte dabei sein. Den Medienhäusern war dabei nur eines wichtig: Traffic, also Seitenaufrufe. Um dies zu erreichen, stellten sie ihre ganzen Artikel einfach online. Gratis. Die Texte lagen ja eh fertig produziert herum, wieso also nicht einfach hochladen? Vorreiter war der Spiegel mit Spiegel Online, der so zur führenden deutschen Nachrichtenseite im Internet avancierte. Mit der wachsenden Besucher:innenzahl stellten die Medienhäuser ein Problem fest: Immer weniger Menschen wollten Geld für etwas bezahlen, was sie online geschenkt bekamen. Die sinkende Auflage hatte gleichzeitig zur Folge, dass auch die Werbeeinnahmen einbrachen. Zunächst versuchten die Medienhäuser, über Onlinewerbung die Einnahmeausfälle zu kompensieren. Mit dem Werbeblocker-Boom wurde den Verantwortlichen aber klar: Alles verschenken konnte auf Dauer keine Lösung sein. Also: Bezahlschranke.
Das Problem: Die Menschen hatten sich daran gewöhnt, alle Artikel gratis zu erhalten. Ob Medienhäuser, Musikverlage oder Filmverleiher, irgendwie hatte niemand daran gedacht, den Menschen da draußen den Wert digitaler Inhalte zu vermitteln. Dienste wie Napster, die ganzen Warez-Seiten (für Raubkopien aller Art), man bekam online einfach alles gratis. Heute denken Menschen, Musik dürfe nichts kosten. Sie nutzen Spotify und sagen Dinge wie: „Sonst müsste ich die ganzen Sachen ja kaufen.“ Das sind exakt dieselben Nasen, die zur Waffe greifen würden, wenn jemand sie beklauen würde. Andere sollen für einen Hungerlohn arbeiten, damit man selbst ein paar Euros spart. Aha. Erinnert mich frappierend an das deutsche Spargel-Business.
Diebstahl ist Diebstahl
Beim Journalismus verhält es sich noch absurder. Manche Menschen reden sich ein, sie hätten ein Recht darauf, alles gratis lesen zu dürfen. Spricht man sie darauf an, bekommt man nicht selten so verkommene Dinge zu hören wie: „Wenn die Qualität besser wäre, würde ich ja bezahlen.“ Wenn die Qualität angeblich so schlecht ist, wieso möchtest du es dann lesen? Gehst du in Supermärkte und klaust Ja!-Produkte, weil die Qualität deiner Meinung nach nicht für eine Bezahlung reicht? Gehst du zur Tanke und klaust Bitburger? Wer Inhalte klaut, ist ein*e Dieb*in, ganz einfach. Einerseits sollen die Redaktionen über alles Mögliche berichten, eine Top-Qualität abliefern, keine Fehler machen, super schnell und super aktuell sein. Andererseits sollen sie ihre Arbeit verschenken, ihre Flüge und Fahrten und Übernachtungen selbst bezahlen, geschweige denn Essen und Miete. Da frage ich mich doch, wie viel Lack man gesoffen haben muss, um zu so einer Denkweise zu gelangen.
Und genau deswegen hasse ich das Wort „Paywall“. Es ist keine Wand, keine Mauer, sondern einfach nur der Kaufpreis für ein Produkt. Bezahl ihn und du bekommst das Produkt. Bezahl ihn nicht und du bekommst das Produkt nicht. Wer Angst vor einem Abo hat, soll in den verdammten Edeka gehen und sich die gedruckte Version aufs Kassenband legen. Wer kein Geld hat, hat in Deutschland glücklicherweise jede Menge ÖRR-Nachrichtenseiten und herausragende Medienangebote wie Arte zur freien Verfügung.

